Eine Folie im Skriptum meines Kindes hat mich stutzig gemacht: Eine gängige Auflistung der „Kriterien des Lebens“. Produktivität ist Teil des Lebens. Wachstum ist damit gemeint. Was heißt das im Kontext Wirtschaftswachstum? — Meine Neugier mündet in den Worten „Muss dazu nachdenken.“ „Schwierige Aufgabe, vielleicht bewältigbar“, kommt es retour.
Leben ohne Tod?
Eine Minimalrecherche (1) bestätigt im Großen und Ganzen die gelesene Auflistung der „Kriterien des Lebens“.
Stoffwechsel, Strukturen, Reizbarkeit [für einen Wiener ein heikles Thema], Fortpflanzung, Vererbung, Wachstum, Anpassung werden als Eigenschaften und Merkmale genannt. Alle zusammen beschreiben einen Organismus als lebendig.
Was mir an dieser (naturwissenschaftlichen) Beschreibung abgeht, ist der Tod. Jedes Leben endet. Haben die Biologinnen und Naturkundler darauf vergessen?
Dem Leben fehlt der Tod, dem Wachstum das Ende. Was folgt daraus?
Wirtschaften ohne Ende?
Die Folgen pfeifen die Spatzen von den Dächern: Wir produzieren — für den Müll. Unser Müll offenbart (2), wie wir wirtschaften. Die Produktivität ohne Ende — eine Sintflut, welche die Menschen überall trifft.
Was haben wir eigentlich seit 1975 (3) gemacht?
Schicken wir die Produkte auf Halde, so können sie nicht sterben. Alles bleibt erhalten.
Verstoffwechselt die Wirtschaft die Bestandteile, so entstehen neuerlich Produkte. Alles bleibt erhalten.
Der Tod als Merkmal des Lebens ist Teil des Wirtschaftswachstums. Was macht das mit uns?
XAIPE,
Stefan Vetter
2024-21-31.
Anmerkungen
(1) Whatever this might include.
(2) Offenbarung — Apokalypse
(3) Richtlinie 75/442/EWG des Rates vom 15. Juli 1975 über Abfälle
(4) Kurioses am Rande: „Leben bedeutet partielle, kontinuierliche, progressive, vielgestaltige und den Gegebenheiten nach wechselwirksame Selbstrealisation der Potenzen von Elektronenzuständen des Atoms.“ J. D. Bernal, Der Ursprung des Lebens, p. 259. Die Enzyklopädie der Natur, Bd. 20, Editions Rencontre Lausanne, 1971.
Zeichnung, Foto
© 2024 Stefan Vetter.
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