Ich weiß nur, dass mich in beiden Artikeln (1) (2) das „Handschriftliche“ in den Überschriften bewogen hat, sie zu lesen. Einige Zitate und Kommentare haben mir Anstoß gegeben, meine eigenen Gedanken aufzuschreiben.

Handschrift rührt noch viele Menschen

Christian Marquardt ist wissenschaftlicher Beirat des Schreibmotorik-Institutes, welches sich für den Erhalt der Handschrift einsetzt (1). Im selben Artikel findet sich auch das Zitat:

„Wer die Handschrift rettet, der rettet auch den persönlichen Ausdruck, der in der Schrift stecken kann.“ (Christian Kell)

„Schreiben Sie noch mit der Hand?“ fragte Der Standard (2). Von 530 wählten 92% das Ja. „Noch“ ist das entscheidende Wort.

Einige Kommentare zum Standard-Artikel haben mir gefallen.
So „entschädigt“ tablespace65 „allein das Procedere, den Kolbenfüllhalter mit Tinte zu füllen, … für vieles.“ Für das „private Tagebuch“ sei die Handschrift unersätzlich wie baumschneider erzählt. Und Claidheamh Mòr setzt auf die Unentzifferbarkeit der eigenen Handschrift. Zwei, Partiot264 und mr. m, berichten, dass die Handschrift verlernt werden könne. Martin Müller10 verwendet als „Techniker und Chemiker viele Sonderzeichen, die per Hand einfach viel schneller geschrieben werden können“.

Schönschrift während der Ausbildung

Eine Seite aus meiner Reinschrift „Zoologische Grundübungen“.

Reinschriften während des Studiums. Ich hatte ein Vergnügen daran, meine Mitschriften an der Uni zu Hause in Reinschriften zu verwandeln. Stundenlang. Dabei wiederholte ich den Stoff ganz ohne Anstrengung. Entsprechend begehrt waren meine Hefte.

Griechische Buchstaben erlernen. Ich erinnere mich noch — der Griechischlehrer in der Schule drängte uns, diese neuen Zeichen ja genau und schön zu schreiben.

Kurrentschrift im Zeichenunterricht. Diese Fertigkeit verhalf mir dann meinen ersten Verdienst als junger Familienvater: Ein Manuskript von 200 Seiten zu übertragen.

Schönschreiben in der Volksschule. Das brachte mir noch Jahrzehnte später in meiner Arbeit immer wieder die Bitte ein, die eine oder andere wichtige Geburtstagskarte zu kollegialen Anlässen zu schreiben. Dem bin ich stets gerne nachgekommen.

Kurzschrift — Krönung aller Handschriftlichkeit.

A poem written in Teeline shorthand.

In der Schule ging ich völlig unbedarft an das Erlernen der Kurzschrift heran. Ich empfand diese Zeichen schlicht als schön. Die Erinnerung daran war immer wach.
Als ich dann mein jüngstes Kind diese Kulturtechnik lehren wollte, ward ich zum  Schüler: Ich nämlich erlernte eine neue Kurzschrift und eine für die englische Sprache.

Vorbild der Handschriftlichkeit

Im Zuge der Lehrerausbildung wurde ich noch in Schönschreiben an der Tafel unterrichtet. Ohne Hilfszeile, in gerader Linie, die gesamte Fläche nutzen, lesbar aus der letzten Reihe. Das war ein Spektakel!
Dringende Mahnung, den Kindern Vorbild zu sein, klingt mir heute noch im Ohr.

An der Uni Wien zauberten Herr Univ.-Prof. Splechtna, Herr Univ.-Prof. Ehrendorfer und Herr Univ.-Prof. Schaller ihre Erklärungen an die Tafel — in vorbildlicher Schrift.

Der Erinnerungsgestalter verwendet seine Handschrift

Ja, und schließlich kommt mir die Handschrift bei meiner Arbeit als Erinnerungsgestalter zugute. Denn Zuhören, Erzählungen lauschen, daneben aber in die Tastatur klopfen, womöglich noch das Gerät zwischen den Personen aufgestellt, das geht gar nicht.

Dann auch noch die alten handgeschriebenen Dokumente und Briefe lesen zu können …

Ein schöner handgeschriebener Gruß anläßlich eines Gedenktages bleibt in Erinnerung.

Schluß

Ich habe diesen Blog einfach so hingeschrieben, dann noch ein bisserl dran gefeilt (3).

Letztendlich bin ich erstaunt, wie viele verschiedene Ansätze und Zugänge zur Handschrift ich im Laufe meines Weges entdeckt habe.

 

XAIPE, SteVe.

 

Additionals

(1) http://www.zeit.de/wissen/2018-04/schreiben-handschrift-digitalisierung-hirnforschung-neurologie von 

(2) https://derstandard.at/2000078025484/Schreiben-Sie-noch-mit-der-Hand von lib

(3) Maria Nicolini, 2001, Sprache Wissenschaft Wirklichkeit, zum Sprachgebrauch in inter- und transdisziplinärer Forschung, Klagenfurt Wien, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

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„Was bringt das Tagebuchschreiben?“ fragt Huberta Weigl in ihrem Blog.

Die handschriftlichen Zeichnungen in Wallner & Völkl, 2017, Fokus Self-Leadership, Edition summerhill.

Das OIDA lädt zum Handschreiben ein. Ja, es ist an analoges Buch und muß auch als solches verwendet werden.

Abbildungsnachweis

Phantasieblumen, Zeichnung und Foto von Stefan Vetter.

Eine Seite aus meiner Reinschrift „ventral (stärkere Pigmentierung)“, Foto von Stefan Vetter

A poem written in Teeline shorthand, Gedicht und Foto von Stefan Vetter

Dank

Danke für die beiden Zeitungsartikel.

Frau Dr. Weigl danke ich für den Artikel über das Tagebuchschreiben.

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