Elefanten in Europa! Aus Botsuana! Was zunächst wie eine Zeitungsente klingt, beflügelt die Fantasie eines österreichischen Ministerialbediensteten. Doch der Präsident, der unsrige, spricht ein Machtwort.
Dem Zeitungselefanten Gehör schenken
Ein interministerieller Traum
Unlängst in Botsuana is was Grausliches passiert, (1)
dort haben Elefanten Land und Leute schikaniert.
Der dortige Minister überlegt und räsoniert,
was wär‘, wenn man die Tiere durch an Abschuss dezimiert.
Ja, international, da macht des kan Bahö.
Nur Deutschland hebt den Zeigefinger in die Höh‘.
Botsuanas Präsident, er hat sogleich an Plan
und kündigt unsern Nachbarn dies Geschenk nun gerne an:
Dass zwanzigtausend Tiere ihr müsst selber transportier’n.
In freier Wildbahn mögen sie bei euch zu Haus parier’n.
Ich komm euch dann besuchen über’s ganze nächste Jahr
und schau mir an wie euer Landwirtschaften war.
Im Auswärtigen Amt sitzt recht a fesche
Frau Doktor, die sich quält mit der Depesche.
Noch ehe Deutschland ward des Inhalt ganz gewahr,
weiß man in Österreich: Die Sache ist ganz klar.
Ein kluger Mann, ministerial von Rang und Rat, (2)
schreitet sofort zur heldenhaften Tat:
Er gründet unverzüglich, auf der Stelle,
höchst kompetent a interministerielle. (3)
Man sagt, er sei gewagt, ein solch ein hehrer Traum.
Hat denn dieses Tier bei uns an Lebensraum?
An so an Elefant im Ministerium platzier’n?
Kann denn in Österreich der Landwirtschaft nix Besseres passier’n?
Wir hätten Fleisch und aa an Schlachthof müsst man ganz an neuen bau’n,
es kommen viele Leut, die Viecher anzuschaun.
Man fragt sich lang, man fragt sich breit und hoch und ruft: Expert, expert!
A so a Elefant, der hat an Mehrwert als die ganzen weißen Pferd.
Wie wird gehegt das Tier? Kann man es züchten bald?
Wer zähmt die Tiere für das Wirtschaften im Wald?
Der Tiere Dung lässt tausend Rosen uns erblühn
und null Methan wird in die Atmosphäre ziehn.
A jed’s Ressort hat irgendwas zu sagen
und ist bemüht, zum Ganzen beizutragen.
Der Wolf und das Laborfleisch — lang vorbei!
Jetzt gibt’s was Neues fürs Beamteneinerlei.
Es streiten sich die hehren Kompetenzen (3)
und jahrelang gehn alle Wogen hoch.
Bis dann da Präsident sagt voll Verdruss:
Geh, bitte, meine Herren, wie lange macht’s denn diesen Blödsinn noch?
Ein öffentlicher Diener schreibt mit Amtsgewalt
umfassend klug und lang den ganzen Sachverhalt. (4)
„Wann soll ich den Akt skartieren?“ fragt er. Sicher nicht!
Im Staatsarchiv gehört gewürdigt so a G’schicht! (5)
Den alten Rat, den reißt’s, er ist kurz eingenickt.
Vor ihm, da liegt ein Standard, worauf fällt sein Blick:
„Botswana will Deutschland 20.000 Elefanten abgeben“
Da wird ihm warm um’s Herz in seinem Arbeitsraum:
Es ist ein bloß interministerieller Traum.
Zweitausend Elefant für Österreich?
Oder vielleicht doch ein europäisches Projekt?
Na, schau ma mal.
XAIPE, Stefan Vetter.
2025-08-17.
2024-04-09.
Anmerkungen
(1) So wußte Der Standard am 2. APR 2024 zu berichten.
(2) In Österreich ist Ministerialrat ein Amtstitel in der Bundesverwaltung.
(3) Eine „Interministerielle“ bezeichnet eine zumeist mehr oder weniger wichtige Arbeitsgruppe mit besonderem Auftrag, in welcher möglichst alle Ressorts vertreten zu sein haben, natürlich nur, sofern die jeweiligen Kompetenzen von dem Auftrag auch nur in irgendeiner Weise betroffen sein könnten. Zumeist sind sie das natürlich. Zweck dieser zeitintensiven Zusammenarbeit — Wozu gibt es ein Bundesministeriengesetz, welches die Kompetenzen und Zuständigkeiten ohnehin regelt? — ist, einen gewichtigen Umstand auf völlig neue Beine zu stellen, was sehr viel Erfahrung benötigt, oder eben auch, einen selbigen in die Verwaltungswüste zu schicken, wo er verdunstet; was auch sehr viel Erfahrung benötigt. Weitere Ausführungen dazu sind in der Biographie des Legationsrates Dr. Tuzzi nachzulesen, welche uns Jörg Mauthe in Die große Hitze 1974 überliefert hat.
(4) Der Sachverhalt ist substantieller Bestandteil eines jeden Aktes.
(5) Ein Akt hat, sofern nicht von historischer Bedeutung, nach zugemessener Zeit vernichtet (skartiert) zu werden.
(6) Das Lied enthält sicherlich viele musikalische Zitate, welche heute mittlerweile zum musikalischen Allgemeinwissen gehören. Deshalb kann ich auch keine Quellen anführen. Zusammengestellt und entstanden ist es aus purer Freude ob dieser schönen Geschichte.
(7) Die Aufnahme ist im Mai 2024 fertig geworden. Deren Qualität ist meinen Gegebenheiten angepasst.
(8) Gaea Schoeters, „Das Geschenk„, aus dem Niederländischen von Lisa Mensing, Verlag Zsolnay, 2025.
Composition, recording, Zeichnung, Foto
(c) 2024 Stefan Vetter.
Über den Autor
Stefan Vetter komponiert und musiziert seit seinen Jugendjahren. Erst mit dem Jahr 2021 hat er begonnen, seine Lieder systematisch zu sortieren und so einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.
Sehr schön 🎩.
Danke sehr. XAIPE, Stefan.